Monthly Archives: September 2011

Der Pluralismus in den bürgerlichen Wissenschaften

Wie Respekt Objektivität ersetzt

Dass sich verschiedene Positionen, die demselben Gegen- stand gelten, wechselseitig in die Quere kommen, muss auch den Verfechtern dieser Positionen auffallen, da jede Theorie darauf besteht, die Erklärung – oder zumindest ein Stück Erklärung – ihres Objekts zu liefern und nicht bloß die Kundgabe eines Interesses oder einer Meinung zu sein. Continue reading

Pädagogische Anthropologie

Blöde Frage: “Was ist der Mensch?”

Was soll er schon sein? Ein “homo oeconomicus” für die Volkswirtschaftler, ein “zoon politikon” für die Politologen, ein “animal soziale” für die Soziologen, ein Erdenwurm für die Theologen und “ein Tier, das denkt”, für die Rationalisten. Es fällt richtig ins Auge: jede Zunft ist bemüht, ihre sehr kulturellen oder politischen Anliegen rückwärts in die innerste, von jeder Kultur und Außeneinwirkung gereinigte Menschennatur reinzulesen, um dasselbe Anliegen dann als dem Menschen total entsprechend, als gerechtfertigtes Anliegen aus seiner Natur wieder herauszulesen - ein witzloses und zirkuläres Verfahren, das nur deshalb nicht ausstirbt, weil der Bedarf an Total-Rechtfertigungen offenbar nie zu decken ist: Wirtschaft, Staat, Gesellschaft usw. sollen nicht als diese besonderen, die wir heute vor uns haben, betrachtet, gewürdigt, für gut oder schlecht befunden werden, sondern ganz grundsätzlich – gewissermaßen ein für alle Mal und ohne Betrachtung seiner /ihrer tatsächlichen Eigenschaften als gut, weil für den Menschen nötig, aus seiner Natur abgeleitet werden. Wenn die Erziehungswissenschaft dieselbe Frage bezüglich der Erziehung stellt, verhält es sich nicht anders. Continue reading

Geldtheorie

Die Geldfunktionen

Was seit einigen tausend Jahren als Musterbeispiel eines Denkfehlers gilt und was selbst hartgesottene Kreuzworträtsellöser als Anschlag auf ihre Intelligenz empfinden, genau das liefert in der VWL den Einstieg in die Theorie des Geldes. Eine Definition nämlich, die in zirkulärer Weise von eben dem Begriff Gebrauch macht, den sie zu erklären vorgibt:

„Ganz allgemein kann man unter Geld oder Zahlungsmitteln alles verstehen, was im Rahmen des nationalen Zahlungsverkehrs einer Volkswirtschaft generell zur Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen akzeptiert wird.“ (Jarchow, Geldtheorie, Bd. I., S. 13) Continue reading

Die Wissenschaft erklärt: Hauptsache, es funktioniert

Damit, was eine Sache leistet, wozu sie gut ist, kann man leicht einverstanden sein. Dann nämlich, wenn das Was und Wozu ermittelt und als dem eigenen Zweck förderlich beurteilt worden ist. Wenn moderne Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ihre Gegenstände unter dem Gesichtspunkt des Nutzens behandeln, ist von der im obigen Fall verlangten Freiheit im Urteil über die Nützlichkeit nichts zu sehen. Bei ihnen fällt die Angabe eines Dienstes, den ein Ding ihrer Meinung nach leistet, unmittelbar zusammen mit der objektiven Verpflichtung, die Existenz desselben für unumgänglich zu halten. Ihre Funktionslogik ist moralischer Natur: Etwas erfüllt eine Aufgabe – also ist es gut! Und zwar meistens gleich für DEN MENSCHEN, ein Pseudonym, das die Wissenschaftler für ihr staatstragendes Interesse an Geld und Staat, Religion und Dichtwerken gefunden haben. Als rein subjektiv sollen ihre Ansichten über ihre Gegenstände nämlich nicht daherkommen; schließlich ist ihr Beruf die Wissenschaft. Also kleidet sich das parteiliche Interesse an der Existenz der von den Gelehrten aufgegriffenen Gegenstände in ein objektiv sein sollendes Urteil: Das Ding hat als Funktion an sich, woran mir liegt! Continue reading

Soziale Schichtung

Eine soziologische Ersatzkategorie für Klassengesellschaft

Wenn Soziologen ihren Blick durch die Lande schweifen lassen, stoßen sie wie selbstverständlich auf einen „Sachverhalt“, den sie

soziale Ungleichheit

nennen. Continue reading