Die Wissenschaft erklärt: Hauptsache, es funktioniert

Damit, was eine Sache leistet, wozu sie gut ist, kann man leicht einverstanden sein. Dann nämlich, wenn das Was und Wozu ermittelt und als dem eigenen Zweck förderlich beurteilt worden ist. Wenn moderne Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ihre Gegenstände unter dem Gesichtspunkt des Nutzens behandeln, ist von der im obigen Fall verlangten Freiheit im Urteil über die Nützlichkeit nichts zu sehen. Bei ihnen fällt die Angabe eines Dienstes, den ein Ding ihrer Meinung nach leistet, unmittelbar zusammen mit der objektiven Verpflichtung, die Existenz desselben für unumgänglich zu halten. Ihre Funktionslogik ist moralischer Natur: Etwas erfüllt eine Aufgabe – also ist es gut! Und zwar meistens gleich für DEN MENSCHEN, ein Pseudonym, das die Wissenschaftler für ihr staatstragendes Interesse an Geld und Staat, Religion und Dichtwerken gefunden haben. Als rein subjektiv sollen ihre Ansichten über ihre Gegenstände nämlich nicht daherkommen; schließlich ist ihr Beruf die Wissenschaft. Also kleidet sich das parteiliche Interesse an der Existenz der von den Gelehrten aufgegriffenen Gegenstände in ein objektiv sein sollendes Urteil: Das Ding hat als Funktion an sich, woran mir liegt!So wird z. B. bei den Ökonomen studiert, was es mit dem Geld auf sich hat. Besichtigt man die Resultate dieser langjährigen Forschung, stößt man auf Sätze wie:

„Geld ist alles, womit man zahlen kann“

(Preiser, Nationalökonomie heute, S. 86),

aus dem die Freude über die großen Leistungen des Geldes spricht. Das scheint nicht schwer zu sehen zu sein – die Aussage klingt ja auch nicht übermäßig wissenschaftlich. Bloß: Wie konnte es dazu kommen? Hier liegt offenkundig der Fall der unmittelbaren Gleichsetzung der zu erklärenden Sache mit den Diensten, die sie leistet, vor: – Was ist das Geld? – Dass man beim Kaufhof dafür Handschuhe kriegt!, erläutert der Ökonom. Leider wird man durch die Auskunft, Geld tauge vortrefflich zum Einkaufen, nicht gut bedient. „Zahlen“ heißt nämlich nichts anderes als „Geld ausgeben“ und unterstellt das bewunderte Objekt, dessen Bestimmung mit „Geld ist …“ angekündigt worden war. Preiser freilich ist mit seiner Tautologie – Geld ist das; was zu allem dient, was man mit Geld machen kann – so zufrieden, dass er über den Nutzen des Geldes, aus dem es ganz und gar bestehen soll, glatt vergisst, dass die mit ,Zahlen-können‘ angegebene Funktion die durchgesetzte Trennung der potentiellen Geldbesitzer von den so zahlreich hergestellten nützlichen ,Gütern‘ unterstellt. Bei ihm liest sich die billige Einsicht, dass sich da, wo alles als geschütztes Privateigentum seinen Preis hat, ohne Geld nichts kaufen lässt, der moderne Bürger in der Tat von Geld abhängig ist, andersherum als Loblied auf den Erfindungsreichtum von Menschen, die rechnen, tauschen und sparen wollten, wodurch dann das entsprechende dreifach nützliche ,Gut‘ in die Welt gekommen sein soll:

„Recheneinheit, Tauschmedium und Wertaufbewahrungsmittel.“ (Woll, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, S. 348)

Mit dem Gedanken, dass Geld das ist, dass es den Menschen vielfach dient, bescheinigen ihm Wirtschaftsfachleute seine ,sachliche‘ Notwendigkeit: Sonst könnte man doch nichts kaufen! Ein sehr unökonomisches Urteil, weil es von der Brauchbarkeit des Geldes ausgeht, die vom Standpunkt des Umgangs mit Geld behauptet wird:

„Mit Geld können Güter gekauft werden.“

So verflüchtigt sich der staatlich gesetzte Zwang, sich des Geldes bedienen zu müssen, in die Philosophie einer grenzenlosen Freiheit, die dem verehrten Subjekt zu eröffnen nach Ansicht der Ökonomen der eigentliche Beruf von Dollar und Euro ist.

„Geld ist das Gut höchster Entscheidungsfreiheit“,

heißt also die – sachverständige – Korrektur der Volksweisheit: „Ohne Moos nix los.“

Ohne Staat keine Gesellschaft!

Die Kunst der Umdrehung der durch Gewalt eingerichteten Notwendigkeiten in der modernen freiheitlichen Demokratie in wunderbar funktionell geordnete, also prinzipiell in Ordnung gehende Verhältnisse, die die Ökonomen durch die positive Anwendung des Funktionsarguments ausüben – Geld = viel Nutzen! -, beherrschen auch Politologen. Bei ihnen schätzt man die negative Wendung des funktionellen Gedankens, so dass sie zu folgender Einsicht in das bürgerliche Staatswesen gelangen: Ohne Staat = Fehlanzeige in puncto seiner Dienste! Ergo …

Wie das geht?

Nehmen wir eine Definition des Staats in voller Kürze:

„Staat. Ist die Organisationsform der Gesellschaft. Zu ihr gehören die Staatsgewalt, ein Staatsvolk und ein Staatsgebiet.“ (Gesellschaft und Staat, Lexikon der Politik)

Worüber wird geredet? Über den Staat? Einerseits ja: das Wort kommt ja mehrmals vor. Andererseits aber nicht; denn gleich mit der ersten Auskunft führt die Definition zielstrebig weg vom Staat, hin zu der „Gesellschaft“. Über diese wird im Folgenden weiter verhandelt, ohne dass der Autor über diese implizite Zusammenwerfung von Staat und Gesellschaft Rechenschaft geben würde. Er spricht von der Gesellschaft, als ob der Staat ganz selbstverständlich in ihr zu finden sein müsse. Ist er auch. Wo ein Wille, da ein Weg. Über positive Merkmale „der Gesellschaft“ – die in ihr gültigen Interessen, Zwecke oder Einrichtungen – führt der freilich nicht. Umgekehrt: „Die Gesellschaft“ hat etwas, was ihr fehlt - einen Mangel an „Organisation“. Der muss natürlich behoben werden – und schon hat der Staat eine Funktion. Name: Regelung schlechthin. Zur Erfüllung dieses Dienstes der Herstellung eines geordneten Miteinanders muss es den Staat also nach Ansicht der Politologen geben; hier fällt das funktionelle Urteil mit dem Nachweis der Existenzberechtigung des Funktionsinhabers ebenso schön zusammen wie bei den Freunden des Mammons. Der Trick ist gelungen, und ihre Genugtuung über die Vorstellung vom Staat als einem wünschenswerten Diener der menschlichen Gesellschaft lassen sich die gelehrten Männer auch dadurch nicht trüben, dass die erstrebte „Organisation“ nur durch gewaltsame Unterwerfung der „Gesellschaft“ unter den Staat zustandekommt. Für sie ist es eben kein Widerspruch, dass die „Staatsgewalt“ justament durch Subsumtion von Land (Staatsgebiet“) und Leuten („Staatsvolk“) ein diesen entlehntes Bedürfnis verwirklichen soll. Warum auch? Ein anderes Bedürfnis als das nach unumschränkter Verfügungsmacht des Staates ist ihnen – wahrscheinlich berufsbedingt – eben unbekannt.

Der Geist als Funktion

Psychologen betrachten das Individuum mit seinem ,Seelenleben‘ als Apparat, der auf sein Funktionieren hin überhaupt nur konzipiert wurde. Der Mensch aus der Werkstatt der Psychodenker ist die allerwärts labile Zusammenfassung von Funktionen, an deren Erledigung das Subjekt dann andererseits allzuoft scheitert, weil Sand im Getriebe ist. Wissenschaftlich hoffähig gemacht hat diesen Fehler, das gesamte Geistes- und Gemütsleben aus dem Interesse an der Erfüllung von Aufgaben, die ihm angeblich gestellt sind, erst auferstehen zu lassen, Altvater Freud.

An ihm lässt sich studieren, zu welchem Unsinn der Vorsatz führt, ausgerechnet die Sphäre des Geistes analog zur medizinischen Betrachtungsweise des Organismus zu behandeln – nämlich unter dem Gesichtspunkt des Funktionierens.

„Zunächst kommt die funktionelle Wichtigkeit des Ichs darin zum Ausdruck, dass ihm normalerweise die Herrschaft über die Zugänge zur Motilität eingeräumt ist. Es gleicht so im Verhältnis zum Es dem Reiter, der die überlegene Kraft des Pferdes zügeln soll, mit dem Unterschied, dass der Reiter dies mit eigenen Kräften versucht, das Ich mit geborgten.“ (Freud, GW Bd. XIII, S. 253)

Wer dem „Ich“ die „Herrschaft“ einräumt über ein „Es“, von dem es andererseits nur ein funktioneller Ausdruck sein soll, sagt Freud nicht. Er hält die Absurdität seiner Metapher für den Beleg, dass das „Ich“ als Zügelungsinstanz fungieren muss, damit ihm sein „Es“ nicht durchgeht. Ist das „Ich“ so Herr und Knecht des „Es“ zugleich, wie umgekehrt dieses über- und unterlegen, so dass sie logisch gut zusammenpassen, so verkompliziert sich die Lage noch,

„Seitdem wir eine besondere Instanz im Ich annehmen, die die einschränkenden und abweisenden Forderungen vertritt, das Über-Ich.“ (Freud, Zur Einführung in die Psychoanalyse, S. 60)

Im „Ich“, das gerade als funktionelle Unterabteilung des „Es“ eingeführt worden war, tut sich nun eine selbständige „Instanz“ auf, die entweder „selbst … oder in seinem Auftrag das ihm gehorsame Ich“ (ebd.) „Verdrängung“ zustandebringt, so dass das insgesamt unselbständige „Ich“ von seiner eigenen Unter-„instanz“ tyrannisiert wird. Das „Ich“, das Freudsche Wort für das bürgerliche Individuum, die unselbständige und deswegen immerzu problematische Mitte zwischen „Über-Ich“ und „Es“ ‚Instanzen‘, die ihm pausenlos „Aufträge“ erteilen, so dass die Aufrechterhaltung dieses absurden Apparats sehr selbstzweckmäßig gerät, – dieses Ich ist die aufklärerisch gemeinte Antwort der Psychologie auf die klassische philosophische Apotheose des freien Willens. Denn bei psychologischem Licht besehen wirkt er doch sehr armselig, der Mensch: Ein Bündel von selbständigen Kräften ist er, und deren ideelle funktionelle Einheit herzustellen sein eigentliches Programm, vor dem sich seine bewussten Taten als Wirkungen, Äußerungen psychischer Funktionen entpuppen – wenn man sie aufdeckt …

Mit der Entlarvung von psychischen Funktionen, die an menschlichen Handlungen vordergründig nicht zu entdecken sind, praktizieren Seelenwissenschaftler die Ersetzung von Grund durch Funktion für das innere Gleichgewicht des Individuums, das Funktionieren der Psyche eben. Die Herstellung der Übereinstimmung mit sich erklären Psychologen zum höchsten Zweck des Menschen. Denn Hindernisse für Zufriedenheit sehen sie hauptsächlich im Individuum selbst gegeben, so dass sich mit der Herstellung eines stabilen ‚Seelenhaushalts‘ auch ein komplikationsloses Verhältnis zur Welt einstellen soll und muss. Die taucht in der Psychologie nämlich umgekehrt nur als Bedingung für ein in Ordnung gebrachtes Gemüt auf.

Soziologen lehren: Die Funktion funktioniert!

Bescheiden – logisch gesehen! – geht es bei den Soziologen zu. Sie freuen sich natürlich wie die Ökonomen und Politologen über die Großtaten von Geld und Staat; andererseits verlangt ihr Standpunkt, über solche Einsichten hinauszugehen. Sie haben nämlich den Gipfel des Funktionsblödsinns erklommen und vermelden von daher über alles, was in Sicht kommt: Es ist eine Funktion – wenn es funktioniert. Das wird im Übrigen gar nicht verheimlicht, sondern selbstbewusst ausgesprochen:

„Die Funktion irgendeiner wiederkehrenden Tätigkeit (ein aparter Gegenstand!), wie z. B. die Bestrafung von Verbrechen … ist die Rolle, die sie im Ganzen des sozialen Lebens spielt, und damit der Beitrag, den sie zur Erhaltung der strukturellen Kontinuität leistet.“ (Fischer Lexikon Soziologie, S.320, Herv. d. V.)

In dieser wissenschaftlichen Glanzleistung, a) eine Sache – wie bereits mehrfach gehabt – gleich von vornherein mit ihrer Funktion zusammenzuwerfen, über diese aber b) als wesentliche Auskunft das Stattfinden ihres Dienstes zu vermelden, steckt eine wertvolle Klarstellung über den Standpunkt soziologischen Räsonierens. Es mag sein, was es wolle -, „irgendeine(!) wiederkehrende Tätigkeit“ eben – die Wissenschaft von der Gesellschaft exerziert an ihm nichts als das Interesse an seiner Funktionalität und verkauft die dabei serienmäßig zustandekommenden Tautologien nach dem Muster: ,Die Funktion ist, dass die Funktion funktioniert‘, als wertfreie Wissenschaft. Im einzelnen sei die trostlose Parteilichkeit dieses Denkens einmal demonstriert am Beispiel der Luhmannschen Überlegungen über die „Funktion der Religion“ (N. Luhmann, Funktion der Religion). Der Mann wendet den Kardinalfehler seiner Disziplin unter dem Titel der „funktionalen Analyse“ ins Verfahrenstechnische, und zwar negativ. Das geht so: Noch bevor er seine Sache durch eine Definition von anderen unterschieden hätte, behauptet er, es sei nötig, sie

„durch Bezug auf ein Problem mit anderen Gegenständen vergleichbar zu machen“. (Luhmann, a.a.O., S. 9)

Ihm kommt es also darauf an, seine „Religion“ in ein Verhältnis zu einem Sachverhalt zu stellen, den er für problematisch zu halten sich entschlossen hat. Und das, ohne dass ein spezifischer funktioneller Zusammenhang zur Sprache käme. Er will ja nur verschiedene denkmögliche Zusammenhänge vergleichen. Vielleicht gibt es ja manches andere als die Religion, das dasselbe leisten könnte wie diese? Der ernüchternde Befund: Nein, leider nicht. In Luhmanns Worten, die einen Schluss vortäuschen:

„Es gibt also (!) keine spezifischen funktionalen Äquivalente für religiöse Formen oder Verhaltensweisen, die nicht als Religion erscheinen.“ (Luhmann. a.a.O., S.48)

Logisch: Nichts dient dem Zweck der Religion so gut, wie ebendiese selbst. Wer hätte das gedacht? Der Unsinn war freilich nicht umsonst. Die nicht religionstauglichen Nichtreligionen sind aus dem soziologischen Verkehr gezogen und die echte Religion „also“ übriggeblieben, wodurch sie in einen affirmativen Zusammenhang mit sich gestellt wird. Es braucht sie für ihre Funktion (eine geniale Umkehrung!), von der man bei diesem ersten positiven Urteil noch gar nichts zu wissen braucht. Denn sie ist natürlich, wie so vieles, ein System, und das muss bekanntlich funktionieren – so kommt die Kirche, von der Luhmann sich die dichterische Freiheit genommen hat, sie für eine Weile ohne Religion zu denken, wie umgekehrt die Religion ohne Kirche, zu ihrer soziologischen Existenzberechtigung. Hier ist die Kirche nicht reales Subjekt, die wirkliche, staatlich sanktionierte Existenz der Religion, sondern unabdingbar, damit es Luhmanns unwirkliche Religion auch realiter gibt:

„Die Funktion des Religionssystems wird unmittelbar durch das System der göttlichen Kommunikation erfüllt, das man Kirche nennt.“ (Luhmann, a.a.O., S. 56)

Das mit der „göttlichen Kommunikation“ soll Luhmann sich selbst klarmachen – wir registrieren nur den Bonus, den die Kirche wegen ihrer Dienste für die Religion erhält, noch bevor dieser ihrerseits mit der

„Funktion der Reformulierung unbestimmter Komplexität“ (Luhmann, a.a.O., S. 79)

ein gutes Werk aufgegeben worden ist. Allerdings ist erstens „Komplexität“ kein Ding, sondern der zum Sprachdenkmal gewordene Unwille, über die angegebene ‚Vielschichtigkeit‘ ein Wort zu verlieren, zweitens aber soll man dieses Phantom noch dazu auch nicht bestimmen können, so dass die Leistungsfähigkeit der Religion, die dieses Unformulierbare drittens „reformulieren“ soll, angemessen göttlich-mystisch ausfällt. Der ganze Mist von der Funktionalität der Religion fällt dem Soziologen nur deswegen ein, weil er der frommen Ideologie anhängt, die Religion wäre in der Tat eine Hilfe, den demokratischen Alltag, den Luhmann „tragbare Unsicherheit“ nennt, zu ertragen und nicht die Extraübung, ihn falsch zu interpretieren. Diese seine Allerweltsideologie über den christlichen Wahn bläst er auf zu dessen objektiver Funktion: Für ihn

„interpretiert (die Religion) Ereignisse und Möglichkeiten in einer Weise, die mit sinnhafter Orientierung korreliert und eine Steigerung tragbarer Unsicherheit erlaubt.“ (Luhmann, a.a.O., S. 80)

In der funktionalen Welt Luhmanns wird eben „Unsicherheit“ getragen und die Religion erlaubt die Vergrößerung der Menge – möglicherweise. Das spricht zweifellos für sie; unübersehbar hier die apologetische Wucht des Funktionsarguments: Tut der Herr im Himmel seinen trostreichen Dienst, hat es mit ihm auch seine wissenschaftliche Richtigkeit. Sapienti sat!

Ob die Wissenschaft nun von wirklich vorhandenen Objekten ausgeht und sich so an der Nützlichkeit für so vieles, was bürgerliche Gelehrte für erhaltenswert erachten, erfreut, dass ihr jeder Unterschied zwischen dem Begriff einer Sache und den Verhältnissen, in denen sie steht, abhanden kommt, oder ob sie aus demselben Interesse ihre „Gegenstände“ als Dienstleistungsinstanz eigens ins Leben ruft, stets ist das „Wozu taugt es?“ die theoretische Leitlinie. Als Ausgangspunkt der Ermittlung des Nutzens einer Sache – was wahrlich kein Fehler ist – ist diese Frage nicht gemeint. Ihre Beantwortung hält die moderne Geisteswissenschaft nämlich zugleich für die Antwort auf die Frage nach dem Begriff ihres Gegenstands. So setzt die funktionelle Betrachtungsweise die Anerkennung der unter sie subsumierten Sachverhalte an die Stelle ihrer Erklärung. Und das ist kein Fauxpas, sondern das Gütesiegel eines moralisch intakten wissenschaftlichen Denkens. Mit der Ermittlung von Funktionen wahrt der akademische Sachverstand die Form des wissenschaftlichen Urteils und gibt darin nichts als den Willen zur Akkomodation an die als Ermöglichung nützlicher Dienste charakterisierte Welt kund. Das Argumentieren mit Funktionen ist die mit dem Anspruch auf Notwendigkeit und wissenschaftlichen Einblick vollzogene Verpflichtung des Verstandes auf die Welt, so wie sie nun einmal ist.

P. S.: Dem Einwand, in den Wissenschaften sei doch nicht nur vom Funktionieren, sondern auch von mancher Dysfunktionalität die Rede, man habe also auch die Kritik am Funktionsbegriff zu berücksichtigen, ist leider nicht recht zu geben. Die Feststellung einer Dysfunktion legt den Fehler des funktionellen Denkens nicht ad acta, sondern setzt ihn – negativ – fort. Wer von Dys- redet, teilt nämlich das Interesse am Funktionieren, indem er die von ihm für wünschenswert erachteten Dienste am Objekt vermisst. Die Aufstellung einer Dysfunktionalität ist also eine Rettung des Funktionalismus, weil eine Kritik auf seiner eigenen Grundlage!

www.sozialistischegruppe.de/hefte/2005/Funktion.rtf