Veranstaltungstipp

Wir empfehlen VeranstaltungEN der AANO

„Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden
für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was
wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die
rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl
in dem Sinne, dass die Kritik sich nicht vor ihren
Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte
mit den vorhandenen Mächten.“
(Marx an Ruge, September 1843, MEW 1, 344)

Einladung zur Diskussion mit dem Forum Gegenargumente/AANO

 Man kann
- die Flüchtlingspolitik, mit der Merkel aus den Verfolgten und Ärmsten der Welt den Stoff für einen imperialistischen Großauftritt Deutschlands in und um Europa macht, als die Bewältigung eines humanitären Problems sehen
- die TTIP-Verhandlungen, in denen die deutsche Regierung um maximale Freiheiten für europäisches Kapitals auf dem amerikanischen Markt kämpft, als die Preisgabe demokratischer Transparenz beklagen
- die Millionengehälter deutscher Manager, die für die Steigerung des Börsenwerts der ihnen anvertrauten Aktiengesellschaften bezahlt werden, als ungeheure Ungerechtigkeit ohne jeden realistischen Bezug zu den Löhnen der Beschäftigten anprangern
- die Armut, die das Kapital mit der immer ertragreicher organisierten Ausnutzung bezahlter Arbeit herstellt, als die schwierige Frage sehen, bei welcher staatlich verfügten Grenze sie anfängt und aufhört
- die Ukraine, die sich die EU als ihr ausschließliches Einflussgebiet gegen alle Ansprüche Russlands zuschlagen will, als Schuldfrage sehen, mit der Recht und Unrecht verteilt wird
- die Mietpreise, mit denen Wohnungsbesitzer gemäß marktwirtschaftlicher Regel und politischer Förderung ihr Eigentum so rentabel wie möglich vermehren, als Versagen der Regierung bei der mieterfreundlichen Regulierung des Wohnungsmarkts anklagen
- die Ausländerfeindschaft, mit der Volksteile ihr Verständnis des großmächtigen Deutschland als angestammte Heimat darin verwurzelter Ureinwohner verteidigen und bewahren wollen, als engstirnigen Nationalismus erledigen, der nicht ins Bild eines weltoffenen Patriotismus passt
- die AfD, die in ihrer Forderung nach klarer Zurückweisung der Flüchtlinge den unverdächtigen Patriotismus der Heimatliebe auf seine radikale Konsequenz zuspitzt, als rechtsextreme Protestpartei verorten, die in der etablierten Parteienlandschaft keinen Platz hat
- an Griechenland, das durch eine von deutscher Unnachgiebigkeit angeführte EU auf die kompromisslose Bedienung seiner Schulden zugerichtet wird, einen Mangel europäischer Solidarität ausmachen
- den US-Wahlkampf, in dem sich alle Versprechen der Kandidaten um die uneinholbare Machtgröße Amerikas drehen, der das Land samt dem ganzen Rest der Welt dienstbar gemacht werden muss, als unwürdiges Schauspiel demokratischer Herrschaftsbestellung abtun
- usw.

So oder ähnlich kann man sich die Affären aus der Welt des Kapitalismus und der politischen Macht zurechtlegen. Eine kritische Meinung hat man dann allemal. Ob damit aber die Sache getroffen ist, die da kritisch bedacht wird, wagen wir zu bezweifeln. Denn in der Regel bringen die Bedenken und Einwände nur die idealisierte Überhöhung der Maßstäbe vor, die von Politik und Marktwirtschaft als edle Beweggründe für die Ausübung ihrer Macht reklamiert werden. Und der nächste wie jeder folgende Anlass zur Kritik bieten dann den erneuten Auftakt, den zuständigen Herrschaften gleichermaßen die Verfehlung ihrer eigentlichen Aufgaben vorzurechnen – wie deren Einlösung anzumahnen…
Wir halten es da lieber mit der oben zitierten Devise des jungen Marx: Rücksichtslosigkeit gegen die herrschenden Verhältnisse, ihre Sachzwänge und geistigen Dogmen ist „die erste Bedingung aller Kritik“.

Gelegenheit dazu bietet sich auf unserem regelmäßigen Diskussionstermin.

Am Donnerstag den 09. Juni 2016 um 18 Uhr widmet sich unsere Diskussionsrunde dem “Fall Böhmermann”

„Je suis Böhmermann“

Ein öffentlich-rechtlicher Satire-Fachmann trägt voller Stolz – jedoch nicht ohne Hintersinn – ein Schmähgedicht auf einen ausländischen Potentaten vor, den in Deutschland von links- bis rechtsau­ßen sowieso schon jeder für die absolute Fehlbesetzung hält. Die deutsche Öffentlichkeit hält das mehrheitlich für total mutig. Sie verrät damit nicht nur einiges über das Recht auf freie Mei­nungsäußerung und deren öden Gipfel namens Satire, sondern ebenso über den Zu­sammenhang dieses jedem Menschen eingeborenen Rechtes mit dem nationalistischen Dünkel gegenüber frem­den Mächten.

Ort: Universität Hamburg, Pferdestall/Soziologisches Institut, Allende Platz 1, Raum 108

Weitere Termine vor der Sommerpause:

23. Juni