Veranstaltungstipp

Das Forum Gegenargumente empfiehlt eine Veranstaltung des Kulturreferats des AStA der UHH

Das Bedingungslose Grundeinkommen

Ist Armut „einfach unzeitgemäß“?

Vortrag und Diskussion
Referent: ein Redakteur der Zeitschrift GEGENSTANDPUNKT

Donnerstag, 16. November 2017, 19 Uhr · Universität Hamburg, Von-Melle-Park 9 (ehemals HWP), Hörsaal

Viele kritische Menschen meinen, die in der Marktwirtschaft Marke BRD heimische Armut sei angesichts beeindruckender Warenberge und Produktivkräfte eigentlich überflüssig und die Möglichkeit ihrer Überwindung deswegen ziemlich naheliegend: Mit der passenden Portion Umfairteilung – etwa über ein bedingungsloses Grundeinkommen, das vom Staat an jedermann ohne zu erbringende Gegenleistung ausgezahlt wird – wollen sie dem Kapitalismus die „Bedrohung durch Armut“ abhandeln, die so vielen seiner Insassen zu schaffen macht.
Wohlmeinende Ideen wie diese fangen sich regelmäßig von den ideellen wie den wirklichen Sachwaltern der „herrschenden Zustände“ aus Presse und Wissenschaft, Politik und Wirtschaft mit dem Verweis auf eben diese „herrschenden Zustände“, die „nun mal“ so sind, wie sie sind, einen Konter ein: Antikritische Stimmen bestehen darauf, dass derartige Vorstellungen sich an der unumstößlichen marktwirtschaftlichen Realität die Zähne ausbeißen – was ganz selbstverständlich für die „Realität“ und gegen die Verbesserungsideen spricht und deren Vertreter als realitätsferne Träumer blamiert.
Doch mittlerweile hat das bedingungslose Grundeinkommen neue, mächtige Freunde gewonnen: Beim Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos und auch anderswo wird der Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens von jeglicher Sozialromantik durchaus unverdächtigen Industriekapitänen und Konzernvorständen selbstbewusst aufgegriffen und als Antwort auf die „Probleme“ ihrer schönen neuen „Arbeitswelt 4.0“ ins Spiel gebracht – die sie in den goldenen Zeiten digitalisierter Weltmarktkonkurrenz mittels Massenentlassungen und Niedriglöhnen auch weiterhin tüchtig herzustellen gedenken.
Und auch die Politik denkt über ein Grundeinkommen nach; darüber nämlich, ob es nicht ein zeitgemäßer Ersatz für die eine oder andere kompliziert konstruierte Sozialkasse sein könnte – und kündigt damit an, sich machtvoll um alle Probleme zu kümmern, die ihr aus Armut und Existenznot ihres Arbeitsvolks erwachsen, mit denen sie auch in Zukunft ganz fest rechnet. Ausgerechnet am berechnenden Gerede von Unternehmern und Politik über das Grundeinkommen wäre also zu lernen, wie verbissen die Macher des Kapitalismus darauf bestehen, dass Armut und Wachstum untrennbar zusammengehören.
In die Debatte, ob die schöne Idee des bedingungslosen Grundeinkommens durch die unverhoffte Schützenhilfe nun endlich möglich oder in den „falschen Händen“ missbraucht wird, mischt der Vortrag sich nicht ein. Der Vorschlag BGE ist weder zu bescheiden noch unrealistisch und schon gar nicht menschengerecht – sondern ein einziger fataler Irrtum über den Charakter von Arbeit und Reichtum in dieser Gesellschaft.

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