Die GegenArgumente 06/10 sind erschienen.

Der Gegenstandpunkt 2/10  ist am 11 Juni 2010 erschienen.

 




 

Jour Fixe

Thilo Sarrazins, seine Kritiker und die „Integrationspolitik –


Über demokratischen Rassismus in Wort und Tat


Deutschland schafft sich ab!“ – der Titel seines neuesten Hits fast die Sorge zusammen, die ein Mitglied der deutschen Elite wie Thilo Sarrazin so umtreibt: Er schaut sich in den Städten um – und was entdeckt er? Einen Haufen an Menschen, die vom kapitalistischen Getriebe auf Dauer ausgespuckt und vom Staat auf Hartz IV festgelegt sind. Deren erbärmliche Lage fällt ihm nicht auf, weil er sie für unerträglich und korrekturbedürftig hält – das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank a.D. hat ja selbst haarklein ausgerechnet, was für eine abwechslungsreiche Existenz sich mit 350€ aufziehen lässt. Die Zumutung, die er ausmacht, liegt nicht in den einschlägigen Lebensumständen einer „breiten Unterschicht“, sondern darin, dass viele sich nicht nützlich machen und dabei und trotzdem noch von „Transferleistungen“ leben – so lässt sich kein ordentlicher und erfolgreicher Staat machen! Aus der Perspektive der Machtelite widmet er sich den unteren Volksteilen, mustert sie nach ihrem nützlichen Dienst für Staat und Wirtschaft durch und sortiert zwischen mehr und weniger tauglichen Völkerschaften, die sich im deutschen Gemeinwesen so tummeln. Dass vor diesem Maßstab der Brauchbarkeit der menschlichen Manövriermasse für die selbstredend gute Sache des Staats ganze Bevölkerungsteile versagen, macht der Mann ihnen zum Vorwurf – und entdeckt das als völkische Identität an den Aussortierten: Die sind so! heißt die interessierte Festlegung: nämlich mit lauter ihnen eigenen Defekten behaftet, die eine nützliche An- und Einpassung, sprich: Integration in das deutsche Gemeinwesen einfach nicht zulassen.

Damit eckt dieser Typ nirgends an: Allen Kritikern ist der grundlegende Rassismus der politischen Sortierung der zugewanderten Menschheit überaus geläufig und so selbstverständlich, dass alle – von den Grünen bis zu türkischen Karrierefrauen – bei ihren Skandalrufen dem Mann fünf Mal bescheinigen, dass er die „Missstände und Probleme“ deutscher Ausländer- und Integrationspolitik in Prinzip und Detail zutreffend zum Thema gemacht habe. Worüber regen sie sich dann auf? „So darf man das aber nicht sagen!“ heißt der Mahnruf der öffentlichen Aufseher. Sie meinen damit nicht die elitäre und gemeine Sache: den bevölkerungspolitischen Standpunkt und das Interesse an der Organisation eines brauchbaren Volks für den Staat, sondern die anstandshalber gebotenen Sprachregelungen, mit denen die „Würde“ der Zugewanderten gewahrt bleibt, während ihnen die Besichtigung und Behandlung als besonderer Problemfälle und unerwünschter Ausschuss tagtäglich vor Augen geführt wird. Wenn der feine Herr Sarrazin dann in seinem missionarischen Eifer mit der Logik des Rassismus überhaupt nicht bricht, indem er seine völkische Ordnung der eingewanderten Volksteile und ihrer „Intelligenz“ mit einer natürlichen Vorbestimmungen durch „Gene“ unterlegt, dann wird „Rassismus!“ geschrien und eine „rote Linie“ ist überschritten: Wenn das „Ansehen Deutschlands beschädigt“ wird, wo Staat und Nation (nicht die ausgemusterten Türken und Muslime) zum Opfer werden, da hört das Verständnis irgendwie auf…um diesseits der „roten Linie“ gleich wieder einzusetzen: Man erinnert sich daran, dass Thilo Sarrazin keine Einzelstimme ist, sondern quer durchs deutsche Wählervolk massive Zustimmung genießt – und mit dem ist man ja einig, dass…

PS: Jetzt haben ihn seine Kumpane aus der politischen Elite aus dem hohen Amt geschasst: Thilo Sarrazin ist durch den Entscheid der Regierung selbst ein bisschen zum Schädling an Deutschland geworden, dem er so eifrig dienen wollte mit der Warnung vor zunehmender Überfremdung durch unwerte Völkerscharen. Mag sein, dass der geächtete Rassismus damit offiziell ins Abseits gestellt wurde: Der seriöse und praktizierte Rassismus der deutschen Demokratie lebt munter in der Integrationspolitik fort, von der jetzt allseits gefordert wird, dass Ein- und Ausgemeindung der fragwürdigen Zuwanderer rigider und effektiver zu regeln ist.


Was nicht nur die Ansichten des Herrn Sarrazin und die Bedenken seiner Kritiker, sondern auch die offizielle „Integrationspolitik“ so unangenehm macht, soll auf dem Jour fixe diskutiert werden.

 


Dienstag, 14. September 2010 Beginn: 19.30 Uhr

Ort: Werkhof, Gaußstraße 25 (Nernstweg/Werkstatt 3)






SCHWARZROTGOLDENES BALLTRETEN ZUR EHRE DER NATION - ALLE DEUTSCHEN WERDEN BRÜDER

 

 

Immer wieder treten Nationen mit ihren Mannschaften bei Fußballweltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zum „friedlichen Wettkampf“ gegeneinander an. Warum eigentlich? Normalerweise spielen die Nationen der Welt nicht miteinander, sondern konkurrieren gegeneinander. Normalerweise bestreiten sie sich wechselseitig den Zugriff auf den weltweiten Reichtum und arbeiten so - ebenfalls wechselseitig - an der Untergrabung der Grundlagen ihrer mehr oder weniger globalen Macht. Das reißt nach außen Gegensätze auf, was dazu führt, dass in der Konkurrenz mit den Waffen der nationalen Ökonomie die wirklichen Waffen immer eine präsente Option sind. Grün sind sich die Staaten alle nicht. Was sollen da die Wettkämpfe im Bereich des Sports, in denen wirklich nichts in Sachen Weltgeltung und ökonomischem Erfolg entschieden wird und von denen der Tabellenplatz in der Liga der Staaten, die sich auf dem Weltmarkt aneinander abarbeiten, auch nicht abhängt?

 

Wie kommt es, dass ihre führenden Vertreter vier Wochen lang Völkerfreundschaft predigen, wo sie sonst den eigenen und ziemlich viel fremden Völkern nichts als lebenslange Lohnarbeit und Arbeitslosigkeit, Elend und Vertreibung, Seuchen und Kriege bescheren? Wieso leisten sie sich dafür einen so enormen Aufwand? Und zwar nicht nur die Veranstalter wie Südafrika, die für ihre Ghettos und Homelands kein Geld haben, sich aber für den Bau von Stadien, Infrastruktur und Hotelanlagen heftig verschulden; auch die Teilnehmernationen machen mit der Aufbereitung des Spektakels durch Presse, Funk und TV mobil. Alles nur um – wenigstens in Friedenszeiten; Weltkriege sorgen schon mal kurzzeitig für eine Unterbrechung – zur Unterhaltung ihrer Völker beizutragen? Erfüllt die Zelebrierung dieses Unfugs nicht den Tatbestand notorischer Heuchelei?

 

Um die „schönste Nebensache der Welt“ soll es sich bei diesem Event der besten Kicker der Welt handeln. Wieso wird diese „Nebensache“ dann mit einem Riesenaufgebot von Polizei- und Streitkräften bewacht? Warum bereitet man sich auf Straßenschlachten und Randale in den Stadien vor? Und warum unternehmen die Veranstalter alles um zu verhindern, dass Freunde des Balltretens, ausgerüstet mit verschiedenfarbigen Fahnen aufeinander stoßen? Vielen soll gar die Einreise ins Land des Veranstalters verboten werden. Geht so die Pflege der Völkerfreundschaft, die bei diesem Ereignis so hoch gehalten wird? Wie kommt es, dass aus dem Spaß am trickreichen Kick von Profis, bei dem eine „beste Mannschaft“ ermittelt werden soll, so häufig der „schönste“ Krawall wird?

 

Fans heißen die Anhänger dieser Sportart auf dem grünen Rasen. Nicht etwa weil sie den Fußball so lieben. Sie sind vielmehr Fans „ihrer Mannschaft“ und zu der halten sie. Aber wieso ist die Nationalmannschaft überhaupt „ihre Mannschaft“? Welchem Verein sind sie dafür eigentlich beigetreten? Wie hoch sind bei dem die Mitgliedsbeiträge? Und mit welchen Leistungen werden diese Beiträge entgolten? Der „Verein“ selber ist dabei gar nicht auf alle seine Fans gut zu sprechen: Wieso kann er ausgerechnet die gar nicht leiden, die sich am vehementesten für ihn einsetzen und voller Inbrunst dafür einstehen, dass nur ihrem Verein der Sieg gehört? Warum schimpft er ausgerechnet die Treuesten der Treuen „Raufbolde“ - Hooligans – und geht mit seinen uniformierten Raufbolden gegen sie vor? Es ist also einiges zu klären.

 

Hierüber wollen wir diskutieren am

Mittwoch, 7. Juli 2010 um 18:30 Uhr

Uni-Campus – HWP – Raum 136 (B) Von-Melle-Park 9

Forum Gegenargumente Hamburg/ AANO

 V.i.S.d.P.: H. Schuller, Hohenesch 56, 22765 Hamburg