Veranstaltungstipp

Wir empfehlen eine Veranstaltung des Forum Gegenargumente/AANO

Wohnungsnot und Mietpreisexplosion

Das Grundeigentum und der Wohnungsmarkt

Vortrag & Diskussion
(In Kooperation mit der Zeitschrift GEGENSTANDPUNKT)

Mittwoch, 24. September 2014, 19 Uhr · Universität Hamburg, Hauptgebäude, Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal J

In deutschen Großstädten ist eine neue Wohnungsnot ausgebrochen. Ein Normalverdiener zahlt derzeit rund ein Drittel seines Einkommens für ein Dach über dem Kopf – und die Mieten steigen weiter. Dass diese elementare Lebensbedingung für die arbeitende Bevölkerungsmehrheit ein Luxus ist, den sie sich kaum leisten kann, wird hochoffiziell als „soziales Problem“ anerkannt. Besonders vor Wahlen versprechen Politiker, sich dafür einzusetzen, dass „das Wohnen bezahlbar bleibt“ – was als Diagnose und Therapie schon alles sagt: Nach 150 Jahren kapitalistischen Wachstums ist es das für viele eben nicht.

Die Betroffenen bekommen auf diese Weise zu spüren, dass die Wohnung, von der manche fordern, sie dürfe keine Ware sein, tatsächlich kene gewöhnliche Ware ist. Während bei gemeinen Waren die Konkurrenz auf Basis der Herstellungskosten den Verkaufspreis bestimmt, gilt das bei der Wohnung nur für zwei ihrer drei Preisbestandteile: erstens für das Gebäude und seine gewerbliche Errichtung, zweitens für die Betriebskosten – Strom, Wasser, Heizung und Instandhaltung –, die zusammen eine „zweite Miete“ ausmachen. Anders verhält es sich mit dem dritten Faktor des Mietzinses: dem Boden, auf dem das Wohngebäude ruht. Selbst gar nicht fabriziert, daher ohne jede Herstellungskost, funktioniert hier das bloße Eigentum an Gelände, ein Eintrag ins Grundbuch, als Quelle von Einkommen für den Grundbesitzer. Ausgerechnet dieser Preis, mit dem gar kein Aufwand bezahlt wird, macht das Wohnen immer teurer.

Etwas Ursachenforschung ist sicher nicht schlecht, wenn die „Wohnungsfrage“ so existenziell ist:
– Was ist die Besonderheit am Grundeigentum und wie wird es zu einer in der Tendenz immerzu steigenden Ertragsquelle? Warum sind in Ballungsgebieten und „attraktiven Wohnlagen“ die Mieten und Preise für Wohnungen so enorm höher als anderswo, obwohl doch die Baukosten ziemlich gleich sind? Wie kann es sein, dass sich für „Miethaie“ sogar der Leerstand an Wohnungen, für die es keine Miete gibt, rentieren kann?

– Wie kommt die Absurdität zustande, dass Mieter die Modernisierung ihrer Wohnungen ebenso fürchten müssen wie die Verbesserung der Infrastruktur in ihrem Viertel? Warum ist jede Anhebung der „Wohnqualität“ unweigerlich mit dem spürbaren Steigen der Mieten verbunden?

– Was regelt und plant der Staat mit der „Flächennutzung“? Warum gibt es „sozialen Wohnungsbau“, ein spezielles Vertragsrecht für den Wohnungsmarkt, einen amtlichen Mietenspiegel und am Ende noch Wohngeld? Weshalb ändert das gesamte staatliche Arrangement der „Wohnungsfrage“ nichts an den sozialen Gegensätzen zwischen Mietern und Wohnungseigentümern, auf die es sich bezieht?

– Und schließlich: Worum geht es dem Mieterprotest mit seinen Forderungen an die Politik, das Geschäft mit dem Wohnen so zu beschränken, dass es für den „Normalverdiener“ erträglich wird und die „Raffgier“ der Eigentümer gezügelt ist? Und was verlangen eigentlich die radikalsten Kritiker der „Wohnungsfrage“, wenn sie ein „Recht auf Stadt“ proklamieren und in symbolischen Aktionen selbst in die Hand nehmen?

Ankündigungsflugblatt zum Herunterladen und Ausdrucken HIER.

Kommentare sind geschlossen.