Veranstaltungstipp

Vortrag und Diskussion

Der Rechtsruck in Deutschland…

Mittwoch, 25. Januar 2017, 19 Uhr · Centro Sociale, Sternstraße 2, 20357 Hamburg

„Wir sind das Volk!“ – Dieser Ruf gilt seit zweieinhalb Jahrzehnten als größte anzunehmende Aufmüpfigkeit und Anspruchshaltung eines Volkes gegenüber seiner Herrschaft, ohne die es peinlicherweise noch nicht einmal wüsste, wem es diese Tatsache mitteilen sollte. Woher kommt das?
„Wir sind das Volk!“ – In diesem empörten Aufschrei darf jede Unzufriedenheit mit jeder der beschissenen sozialen Lagen mitgedacht werden, von denen das Volk so viele – und in Krisenzeiten immer mehr – auszuhalten hat, und gleichzeitig wird keine einzige davon in dieser Parole benannt. Wie geht das?
„Wir sind das Volk!“ – Diese stolze Selbstbezichtigung zielt so selbstverständlich, dass es nicht einmal dazu gesagt werden muss, vor allem darauf ab klarzustellen, dass andere nicht zu diesem feinen Kollektiv gehören. Dass denen also diejenigen Privilegien zu entziehen sind, von denen die Rufer aus irgendeinem Grunde der Meinung sind, sie seien mit der Zugehörigkeit zum Volk – zumindest eigentlich – verbunden. Wie kommen sie darauf?
„Wir sind das Volk!“ – Wo dieser Ruf ertönt, auch das weiß inzwischen jeder, da wird die rücksichtslose staatliche Gewalt gefordert oder die private angekündigt, mit der allein die Ausgrenzung der nicht zum Volk Gehörigen durchzusetzen ist – die Ausgrenzung, die ein Volk beansprucht, damit es sich als dieses gewürdigt und seine Identität gewahrt weiß.
Warum?
„Ihr seid das Volk!“ – So antworten die rechten Anwärter auf die Macht im Land und präsentieren sich als die Führer, die das gute Volk verdient. Sie versprechen, dass sie den „Bedürfnissen des kleinen Mannes“ nicht zuletzt dadurch Rechnung tragen wollen, dass sie die weltwirtschaftliche und weltpolitische Konkurrenz mit anderen Nationen mit neuer Kompromisslosigkeit führen und „uns“ aus allen schädlichen und schändlichen Abhängigkeiten befreien werden.
Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

…und wie sich die Linke die Wahlerfolge der AfD zurechtlegt

Gegen den Vormarsch der rechten und rechtsextremen Parteien, die allesamt im Namen des einfachen, ehrlichen, echten Volkes auftreten und die Macht beanspruchen, stellt sich u.a. „Die Linke“ – bloß wie?!
Mit der allseits geteilten Verachtung gegenüber den Rechten ist die Kritik der Linkspartei am Programm von AfD und Konsorten gleich erledigt – und auch die Wähler, die ihnen nachlaufen, werden keineswegs kritisiert, dafür aber umgekehrt mit viel Verständnis umworben.. Das Volk, also die Masse derer, die ihr Leben als Konkurrenzkampf um ein mehrheitlich ärmliches Auskommen in Abhängigkeit von fremden Kalkulationen und staatlicher Betreuung fristet, ist auch für sie ein Ehrentitel. Sie wollen es schließlich – besser – führen; es ist nämlich fehlgeleitet, „verführt“. Wenn es die AfD wählt, macht es eine „Protestwahl“, drückt also eigentlich bloß seinen Wunsch aus, „dass sich was ändern muss“.
Die Zustimmung zum Ruf der AfD nach der harten Hand des Staates gegen Flüchtlinge als dem obersten Bedürfnis des deutschen Volkes ist recht eigentlich der Wunsch nach einem Sozialstaat, der die Härten der Konkurrenz abmildert? Wollen sie wirklich sagen, dass für die unzufriedenen Wähler ein Staat, der Flüchtlinge drangsaliert, und der Sozialstaat der Linken austauschbar sind? Man kann fast den Eindruck gewinnen, wenn „Die Linke“ selbst das Markenzeichen der Rechten, den „starken Staat“, für sich beanspruchen will – sozial interpretiert, versteht sich…

Wer mit der AfD um die Wählergunst konkurriert, kann offenbar mit Kritik an der AfD samt ihren Wählern nix anfangen. Diese kritische Auseinandersetzung mit den Rechten und ihren Wählern sowie mit der Positionierung der Linken ihnen gegenüber wird geboten auf der Diskussionsveranstaltung am Mittwoch, den 25.1.2017 im Centro Sociale.
 
Ankündigungsflugblatt zum Herunterladen und Ausdrucken HIER.

Kommentare sind geschlossen.