„Wohnraum vergesellschaften“?

Was die Wohnungsfrage im Kapitalismus wirklich ist

Fortsetzung

Mittwoch, 23.November 2011 um 18:30 Uhr
Raum 104, Pferdestall, Allende-Platz 1
Forum Gegenargumente Hamburg/ AANO

1.

Es stimmt: Wohnen zur Miete ist alles andere als ein sorgenfreies Grundbedürfnis. Das fängt bei den stetig steigenden Mietkosten an und geht bis zu den Bruchbuden, in denen die Menschen aus prekären Lebensverhältnissen hausen müssen – so man das Glück hat, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Dazwischen liegt eine ganze Liste an Ärgernissen, mit denen es Mietbewohner regelmäßig zu tun haben. Jeder kennt das aus eigener Erfahrung zur Genüge: Wer darauf angewiesen ist, einem Vermieter die paar Quadratmeter Lebensraum zur eigenen Nutzung zu bezahlen, der muss in der Regel einen lebenslangen und zermürbenden Kampf führen. Das ist Wohnen in der freien Marktwirtschaft. So weit, so mies. Und Grund genug, sich einen Reim darauf zu machen, warum das so ist.

2.

Denn auch an der Erfahrung wird niemand vorbei kommen, der die marktwirtschaftlichen Bedingungen des Wohnens für einen ausgereiften Skandal hält und sich dagegen aufstellt: Alternative Vorstellungen, wie die Wohnungsfrage organisiert sein sollte, damit das Wohnen zur Zufriedenheit all derer geregelt ist, die sich kein Eigenheim als Bleibe leisten können, sind zwar leicht zu haben. Wer eine „andere Vorstellung von Wohnungspolitik“ entwickelt und „Wohnraum vergesellschaften“ will, überspringt aber die entscheidende Frage, was seinen Wünschen eigentlich entgegen steht: Das ist immerhin das System von Eigentum und Wettbewerb, in dem „Wohnraum“ längst vergesellschaftet ist – nämlich als staatlich anerkanntes und gefördertes Vehikel für den privaten Nutzen der Eigentümer von Grund, Boden und Immobilien. Dieser Nutzen des segensreichen Eigentums wird wie alles in dieser kapitalistischen Welt am Geld und seiner Vermehrung bemessen: also daran, dass sich auch Grund- und Wohneigentum als erfolgreiche Kapitalanlage bewährt.

3.

Insofern ist Wohnraum eine Ware, und der Handel mit ihr bildet einen besonderen Markt, den jeder beim Namen kennt. Weniger bekannt ist, wodurch die auf dem Immobilienmarkt gehandelte Ware überhaupt zu einer Profitquelle wird; denn Grund und Boden sind ja keine Ware, die ihre Eigentümer in einem Produktionsprozess hergestellt hätten. Zu kapitalistisch tauglichem Eigentum werden die Grundvoraussetzungen des Wohnens allein dadurch, dass die politische Macht ihnen den Charakter des Eigentums zumisst und deren Eigentümer mit dem gesicherten Recht ausstattet, ihre Ware wie jede andere im System des Kapitalismus zu gebrauchen. Und das heißt in diesem Fall: Die Abhängigkeit aller, die auf den Gebrauch von Wohnraum angewiesen sind, durch einen Mietzins auszunutzen, der aus ihrem Grund- und Wohneigentum eine rentable Geldinvestition macht. Es liegt an der Ermächtigung dieses privaten Interesses durch den Staat, dass das Grundbedürfnis nach Wohnen immerzu mit dem Recht der Immobilienbesitzer auf  lohnende Verwertung ihres Eigentums konfrontiert ist, und nur dann zum Zuge kommt, wenn es dafür ausreichend Geld bieten kann.

4.

Bei diesem Dienst am Grundeigentum belässt es der Staat nicht. Die Regierungen in Stadt und Land betreiben Wohnungspolitik. Sie betreuen und regulieren den Wohnungsmarkt nach politischen Berechnungen, von denen alle – insbesondere die „soziale Wohnungsfrage“ – mit aller Konsequenz hinter der einen Berechnung zurückstehen müssen: Die Stadt Hamburg sucht in der Konkurrenz unter den reichen Großstädten zu punkten und präsentiert sich als attraktives Investitionsumfeld für alle anlagewilligen Geldbesitzer. Damit die es auch auf ihrem Niveau wohnlich haben und ihre Stadt „lebenswert“ finden, fördert selbstverständlich auch die SPD-Regierung die – wie es so schön heißt – Bildung von hochwertigem Immobilieneigentum in allen Ecken und Vierteln, die von den Finanziers als zukunftsträchtige Wertanlage eingeschätzt und dann dazu gemacht werden. Im Projekt einer Weltstadt mit dem dazu passenden „Flair“ wohnen die minderbemittelten Einwohner und schon gleich die armen Randexistenzen einfach an der falschen Stelle, wenn Investoren dort eine ausbaufähige Chance auf höhere Immobilienpreise entdecken. Denn die bringen der Stadt den Reichtum, um den sich auch in der Wohnungsfrage im Kapitalismus alles dreht.

5.

Wie gesagt: Vorstellen lässt sich viel, was sich an der miserablen Wohnungslage für die betroffene Menschheit ändern sollte. Aber was dem an mächtigen Interessen und ökonomischen Gesetzen entgegensteht – was also geändert werden muss, damit die „Wohnungsfrage“ keine mehr ist: Das sollte man sich schon klarmachen. Ein Angebot dazu ist die Diskussionsveranstaltung am

Mittwoch, 9.November 2011 um 18:30 Uhr
Raum 104, Pferdestall, Allende-Platz 1
Forum Gegenargumente Hamburg/ AANO

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