Jour fixe: Das „pazifische Jahrhundert der USA“

Der Imperialismus der gewandelten Führungsmacht

Jour fixe

Dienstag, 20. März 2012, 19.30 Uhr
Werkhof, Gaußstr. 25/Ecke Nernstweg

Der angekündigte Jour fixe am Dienstag, 21 .2., entfällt!

1. „Wir sind wieder zurück! “ resümiert Obama den APEC-Gipfel 2011. Waren die USA aus dem „asiatisch-pazifischen Raum“ jemals verschwunden? Und was heißt „Rückkehr“ bei einer Macht, die sich dort nicht als Teilnehmer neben vielen anderen Staaten anmeldet, sondern unübersehbar ins Zentrum der „wiederentdeckten“ Weltgegend stellt und ihr die entscheidende Rolle für die „Zukunft“ Amerikas zuweist? Wer könnte diesen weltpolitischen Bedeutungszuwachs zurückweisen?

Material für den Jour fixe : Das pazifische Jahrhundert Amerikas (Clinton-Rede Auszug) (RTF)
Das pazifische Jahrhundert Amerikas _Clinton-Rede Auszug (PDF)

2. Die Staaten der Pazifikregion stellen für Amerikas „Zukunft“ ein riesiges Wachstumspotenzial dar. Allen voran China, das mit seinen Exporterfolgen und Dollareinnahmen wie das Spiegelbild zum amerikanischen Leiden erscheint: Die USA stecken gründlich in der Krise und kommen nicht heraus, während China mit den auf dem amerikanischen Heimatmarkt verdienten Dollars seine Wachstums- und Finanzmacht stetig ausbaut – und darüber die USA in eine Abhängigkeit geraten, die sie um ihre politische Handlungsfreiheit fürchten lässt: Wenn China das „Recycling“ seiner Billionen $ in amerikanische Staatsschulden zunehmend skeptischer beurteilt und in größerem Stil als jetzt Alternativen bevorzugt, was dann?

3. Das soll umgedreht und Amerika wieder zu der ökonomischen Machtgröße werden, die ihm seit Jahrzehnten seine Sonderstellung in der kapitalistischen Weltwirtschaft gesichert hat. Derartige Herausforderungen nehmen die USA gleich als Herausforderung an ihre Führungsmacht, die sich nicht mit kleinlichen Regelungen aufhält, sondern wie jetzt in der pazifischen Staatenwelt für eine Neuordnung tätig wird. Dabei kommt der bislang kaum bekannten „Trans Pacific Economic Strategic Partnership“ (TTP) eine entscheidende Rolle zu: Aus ihr soll nach Obamas Willen eine Wirtschaftsunion werden, in der sich alle Teilhaber auf die Marktwirtschaft als Regelungsprinzip ihrer Konkurrenz verpflichten und auf ihren Standorten alles das einreißen, was die Freiheit überlegener USKapitale einschränkt.

4. In Richtung China fährt Obama dabei doppelgleisig: Als antimarktwirtschaftliches System darf es vorerst nicht in die TTP; als Großmacht, deren „Entwicklung“ aus US-Sicht als abgeschlossen gilt, soll sie „Verantwortung“ übernehmen: nämlich sich so gründlich umstellen, wie es die projektierte Ordnung der „partnership“ verlangt, ist es willkommen! Mit seinem Angebot – Respekt für Chinas Aufstieg in die Welt der großen Wirtschaftsmächte gegen Einordnung ins gültige Regelwerk des Weltmarkts – will Obama den wachstumsstarken Rivalen nicht aus-, sondern dem amerikanischen Kapitalwachstum viel mehr als bisher erschließen. Und trägt mit seiner Konfrontation gegen China jede Menge Konfliktstoff in die TTP-Staaten, die mit dem „Reich der Mitte“ schon längst ihre mehr oder weniger gewichtigen Geschäfte am Laufen haben.

5. Auch auf der gehobenen Ebene der strategischen Führung gerät China zur zentralen Herausforderung für die USA. Die sehen ihr faktisches Kontrollmonopol über den „pazifischen Raum“ bedroht, wenn China seinen ökonomischen Machtzuwachs in steigende Ansprüche seiner Sicherheit umsetzt und sich die einschlägigen Fähigkeiten zulegt. Der mit Abstand fürchterlichsten Militärmacht reicht es da schon, wenn sie in China allenfalls das Potenzial einer „asymmetrischen Störung“ ihres ungehinderten Zugangs in jeden Winkel des „pazifischen Raums“ zuspricht, um einzuschreiten: Obama sagt die Einhegung Chinas an – mit einer Aufrüstungswelle, die manchen der pazifischen Anrainer eine neue Front des „Wettrüstens“ und der „Blockkonfrontation“ befürchten lässt. Auch das schöne Ausblicke ins „pazifische Jahrhundert der USA“!

Kommentare sind geschlossen.