Krieg in Syrien

Ein – gelinde gesagt – Missverständnis in mehrfacher Hinsicht:
1. stören sich die USA nicht aus humanitären Gründen am „Regime Assad“, sondern an seinem außenpolitischen Kurs, der gegen die US-Vorgaben für die Region verstößt: Syrien unterwirft sich nicht einfach Israels Vormacht, bündelt mit dem Feindstaat Iran und bezieht (nicht nur) seine Waffen aus Russland.
2. sind die Zerstörungen bei Land und Leuten, die knapp 2 Jahre Bürgerkrieg hinterlassen haben, kein Zeugnis westlicher Untätigkeit, sondern eine erste Erfolgsbilanz beim Abräumen einer missliebigen Staatsgewalt.
Diese geht denn auch auf umsichtiges Wirken der Weltmacht aus dem Hintergrund hervor: vom Anstacheln aller möglicher Unzufriedenheiten über dezente Waffenlieferungen bis zum Direktimport libyscher und anderer Kämpfer gegen die für illegitim erklärte syrische Staatsgewalt.
Syrien ist offenbar der Modellfall für eine Strategie des „leading from behind“, die keineswegs von irgendeiner „Kriegsmüdigkeit“ der USA zeugt. Zunächst einmal ist es die konkurrenzlose Überlegenheit des US-Militärs im arabischen Raum, die es den USA erlaubt, die Behandlung des Falls Syrien für alle interessierten Mächte zu definieren. Auf dieser Grundlage setzen sie die Machtambitionen Saudi-Arabiens, der Golfstaaten und der Türkei frei, die nun ihre „islamistischen Fanatiker“ losschicken, Schutzzonen im Grenzgebiet proklamieren und den Verteidigungsfall ausrufen. Der rücksichtslose Gewaltgebrauch der um ihre Selbstbehauptung kämpfenden Staatsgewalt „beweist“ dann umgekehrt endgültig die „Unhaltbarkeit des Regimes Assad“. So kommt die gruselige Mischung aus „Bürgerkrieg“ und „Stellvertreterkrieg“ zustande, die jede gewünschte Eskalation erleichtert.
Die Sorge jedenfalls, wie die USA z.B. die Waffen der „islamistischen Kämpfer“ hinterher wieder einsammeln und überhaupt sicherstellen wollen, dass ein Syrien nach Assad in ihrem Sinne ausfällt, sollte man wirklich ihnen überlassen…

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