Wieso der Westen Islamisten sponsert, um Assad loszuwerden

Veranstaltungsempfehlung

Vertrag & Diskussion

Warum & wozu der Aufstand in Syrien?

Referent: Dr. Herbert L. Fertl (Redaktion Gegenstandpunkt)

Dienstag, 22. Januar 2013, 19 Uhr
Universität Hamburg, Audimax 2, Von-Melle-Park 4

Die Rede von einem „Bürgerkrieg“ der in Syrien zwischen Parteigängern und Gegnern der herrschenden Baath-Partei und ihres Präsidenten ausgebrochen sei, will als Besonderheit des Gemetzels entdeckt haben, dass hier eine Regierung mit Waffengewalt gegen „ihr Volk“ zuschlage und die Aufständischen schon allein deswegen politisch und vor allem auch moralisch schwer im Recht wären. Diese Parteilichkeit braucht keine Kenntnis über die politischen und ökonomischen Verhältnisse in dieser arabischen Republik und sie ist ziemlich deckungsgleich mit den Positionen der NATO-Regierungen und ihren Partnern unter den absoluten Monarchien im Nahen Osten. Sie wird auch nicht durch die gelegentlich nachzulesenden historischen Informationen verunsichert, denen zu entnehmen ist, dass Vater Assad mit seiner Armee und Polizei seit seinem gewalttätigen Machtantritt in regelmäßigen Abständen seine Herrschaft mit Blutbädern unter aufrührerischen Teilen ihrer Bevölkerung sichergestellt hat und der Sohn als Thronfolger mit der Opposition alles andere als zimperlich umgesprungen ist . Deswegen ist jedoch dem syrischen Regime von außen nie die Machtfrage gestellt und offen ein Regimechange gefordert oder gar eine bewaffnete Opposition auf- und ausgerüstet worden.

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Diesmal jedoch scheint es der Regierung nicht zu gelingen, gestützt auf ihre Armee und Polizei und die Loyalität der Parteimitglieder den Aufruhr zu brechen und Ruhe & Ordnung wieder herzustellen. Nicht nur für die Politiker in den freiwestlichen Staaten ist es sonnenklar, dass da Partei ergriffen werden muss, auch das Fußvolk engagiert sich und weiß offensichtlich problemlos Bescheid, wer die Guten sind und wo die Bösen: In Assads Regierung, denn in deren Auftrag gibt es verwundete und tote „zivile Opfer“. Im Namen der „Opfer“ Partei zu ergreifen gegen das Regime und für die Freiheitskämpfer ist seither auch hierzulande politisch korrekt. Aber intellektuell sehr unredlich: Denn wenn sich die Parteien, die um das Gewaltmonopol im syrischen Staate Krieg gegeneinander führen, gerade nicht von einander unterscheiden, dann daran, dass sie Leichen produzieren. Das liegt an der Natur der Sache, um die sie kämpfen.

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Neben den täglichen Horrormeldungen von den Frontabschnitten des innersyrischen Machtkampfes informieren die Medien auch ganz ungeniert über die äußeren Interessenten, die das Gemetzel anstacheln und ausrüsten. Man kann durchaus erfahren, welche großen und kleineren Staaten und militante NGOs da engagiert sind und es gibt auch Hinweise, welche Interessen und Absichten sie dabei verfolgen. So wird der demokratisch-mündige Bürger in der freien westlichen Welt mit kühlen strategischen und militärischen Kalkülen vertraut gemacht, für die das Blutvergießen in Syrien gut oder schädlich sein soll. Auf der Grundlage des feststehenden Feinbildes vom letzten Gefecht des Tyrannen Assad gegens eigene Volk steht die Moral der Geschichte vorab fest: Es soll ausschließlich um den „Schutz der Zivilbevölkerung“ gehen, wenn die USA und ihre Bündnispartner unter Berufung auf die UNO-Satzung den Aufstand in Syrien und alle beteiligten auswärtigen Parteien unter ihre Oberhoheit stellen und in ihrem Sinne gegen das Baath-Regime zu Ende bringen. Dieser politisch korrekten Denkungsart zufolge, ist es dann natürlich umgekehrt eine „Schande“, wenn notorische Querulanten in der Staatenwelt des demokratischen Imperialismus wie Russland und China da anderer Ansicht sind und mit ihren Weltordnungsvorstellungen den Endsieg der Freiheit in Syrien blockieren wollen.

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Wie gewohnt kann man von einer Diskussionsveranstaltung des GegenStandpunkt Verlags kein demonstratives Mitleid mit den Opfern, keine moralische Verurteilung von Schuldigen oder gar Solidarität mit einer Seite erwarten. Stattdessen eine Kritik der politischen Ökonomie Syriens unter der Herrschaft von Vater und Sohn Assad, Gründe und Anlässe für den bewaffneten Aufstand und nicht zuletzt eine Analyse des historischen Pechs aller Beteiligten vor Ort, zum Objekt welt- und regionalpolitischer mächtiger und abhängiger Interessen geworden zu sein.

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