Habemus papam! Vom Bedürfnis der aufgeklärten Demokratie nach dem religiösen Wahn

Forum Gegenargumente Hamburg/ AANO

Da tritt der Oberpriester einer Religionsgemeinschaft ab, die glaubt, ein vor 2000 Jahren hingerichteter Wanderprediger sei ein Gott gewesen, der jetzt im Himmel sitzt und seine Anhänger bis auf den heutigen Tag begleitet und bewacht und stärkt. Nach dem alle Welt verblüffenden Rücktritt ihres alten Chefs – darf ein Stellvertreter Gottes einfach in Rente gehen? – wählen die Häuptlinge der Priesterschaft einen neuen. Das ist kein Wunder.

Mittwoch, 27. März 2013  um 18:30 Uhr

R 104 Pferdestall Allende-Platz 1    

Eher verwunderlich ist der Rummel, den der Rest der Welt darum macht: Wochenlang sind alle Fernsehkanäle mit der Inszenierung öffentlich gemachter päpstlicher Gewissenspein verstopft, alle sonstigen Hauptmeldungen fallen unter „ferner liefen“. Parteilich bis zum Anschlag erörtert die Öffentlichkeit den „schwierigen Spagat“ zwischen Seelsorge und Politik dieses angeblich  „schwierigsten Amtes der Welt“. Und dann erst die Wahl des Neuen: Eine ganze überlange „Tagesschau“ darf sich das Publikum von der spannenden Frage gefangen nehmen lassen, welche Figur hinterm Vorhang auftaucht, wenn sich der weiße Rauch verzogen hat. Hunderttausende auf dem Petersplatz geben religiöse Verzückung für die Kameras der Welt: „Der erste Papst aus Lateinamerika“, „Franziskus heißt er sich“, „ein Festtag für die Armen dieser Welt“! Ein Leben ohne Papst ist ja wirklich nicht lebenswert. Diese Vorstellung muss sich vor dem Hadsch nach Mekka wirklich nicht verstecken…

Nach all dem wollen wir nichts mehr davon hören, dass ein angeblich modernes Abendland den zurückgebliebenen Moslems die „Aufklärung“ voraus hätte. Auch hier ist die Welt religiöser Einbildungen, der dazugehörige Zauber und das Außer-Sich-Sein weder ausgestorben noch bloße Privatsache, die man den alten Weiblein und Unverbesserlichen überlässt. Die Staatsoberhäupter der westlichen Welt dokumentieren dieser Tage ihr großes Interesse an den Leistungen der Gottesmänner, wenn sie zur Inauguration des Kirchenfürsten in die Heilige Stadt reisen: Es ist für die Mächtigen wichtig, dass die Nicht-Mächtigen an einen Herrn im Himmel glauben, von dem sie Gebote und Führung annehmen. Von der berühmten Trennung zwischen Staat und Religion, die „wir“ angeblich haben und die Moslems nicht, ist jedenfalls nichts zu merken. Auch von Seiten der Religion her nicht: Es ist der Kernvorwurf gegen islamische Fundamentalisten, dass sie sich aus religiösen Überzeugungen heraus anmaßen, Politik zu machen. Gesetze gegen die Abtreibung und den Kondomgebrauch darf die Kirche bei uns wirklich nicht mehr erlassen. Aber als moralische Instanz zur Vernebelung der Köpfe steht sie in Lohn und Brot. „Unser“ Fundamentalismus ist gut, gefährlich ist der andere!

Wir wollen klären, was moralische Werte, was sinnhafte Orientierungen sind, was der christliche Glaube dazu beiträgt – und warum die politische Ordnung, die den Bürgern Freiheit und den „pursuit of happiness“ verordnet, ohne solchen Kram nicht auskommt.

Mittwoch, 27. März 2013  um 18:30 Uhr

R 104 Pferdestall Allende-Platz 1

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