Jour Fixe am 9. April

Veranstaltungsempfehlung

Die Zypern-Krise und ihre Abwicklung – ein „Modellfall“ … für was eigentlich?

Dienstag, 09. April 2013, 19.30 Uhr
Werkhof, Gaußstr. 25/Ecke Nernstweg

– Zypern soll wegen seines untragbaren „Geschäftsmodells“ in die Krise geraten sein: Die Bilanzsumme der Banken beläuft sich auf das „Achtfache“ des Bruttoinlandsprodukts, das mit fünf !!!!! versehen und fertig ist der Schluss: Das konnte ja nicht gut gehen! Was eigentlich? Steht die angeprangerte Bilanzsumme in der Sache nicht für ein wachsendes Bankengeschäft auf dem zyprischen Finanzplatz, in dem die Vermarktung auswärtigen Geldvermögens – aus Russland, Arabien aber auch Großbritannien – den € als geldkapitalistisch brauchbare Weltwährung ein klein wenig gestärkt hat? Bis zur Krise des europäischen Finanzkapitals jedenfalls.
– Bei der „Rettung“ Zyperns ist es nach Aussagen von Insidern heftig zur Sache gegangen: Namentlich der deutsche Finanzminister soll den zyprischen Politikern, wie sie selbst sagen, „die Pistole an den Kopf gehalten haben“, um ihnen die „Zerstörung“ ihres „dubiosen Geschäftsmodells“ abzupressen. Aber was hätte er davon, den Inselstaat vollends in den Ruin zu treiben, den er gleichzeitig als „systemrelevant“, also zu „retten“, einstuft? Der Eigenart der diesmaligen „Rettung“ eines €-Mitglieds mit „Eigenanteil“, sprich: zwangsweiser Vergesellschaftung der angelegten Privatvermögen zum Werterhalt des kaputten Bankkapitals, ist ja eher zu entnehmen, wie er Zypern als Bestandteil von €-Land erhalten will.
– Laut Schäuble „trifft es die Richtigen“, wenn zur Bankenrettung in Zypern auf das Geld der An- und Einleger zugegriffen und nicht der gute Kredit Deutschlands herhalten muss. Besonders im Fall Zypern, wo er nichts auslässt, um dem sonst geschützten und geheiligten Privateigentum dort den Ruch der Illegalität zu verpassen. Allgemein gibt er zu bedenken, dass selbst Schuld hat, wer sein Geld bei krisengefährdeten Banken im Vertrauen auf „Sicherheit“ und zu höheren Zinsen als den bei hierzulande üblichen Nullzinsen anlegt, also auch damit rechnen muss, dass es weg ist, wenn Banken sich „verzocken“ und gerettet werden müssen. Diese interessante Gleichschaltung von Bankkunde und Bankeigentümer zu einer Gesellschaft mit einseitiger Haftung im Krisenfall lassen sich seine europäischen Kollegen gesagt sein: Der Chef der €-Gruppe kündigt das als „Modellfall für die Zukunft“ an, dementiert, um keinen „Bank-Run“ auszulösen, und hält explizit an der Sache fest, während der Außenminister Luxemburgs, das als gleiches oder schlimmeres „Geschäftsmodell“ wie Zypern ins Gerede kommt, Deutschland „Hegemoniestreben“ vorwirft. Lässt sich so sagen, was in Zypern abgewickelt wurde?

Im GEGENSTANDPUNKT 1-13* ist zu lesen:
„Aktuell bietet sich ihnen (den deutschen Imperialisten) mit der Zypern-Krise zudem ein Nebenschauplatz im Kampf um die €-Rettung, hinter dessen auffälligen Besonderheiten – alles überschattend der Vorwurf der „Geldwäsche“ durch einen Bankensektor, an dessen heftig skandalisierter Übergröße bis neulich keiner der seriösen Euro-Verwalter Anstoß genommen hat: schließlich ist auch auf dem Weg Geldkapital in den Euro-Raum geflossen! – glatt verschwindet, dass es natürlich schon wieder um dasselbe geht: um den unaufgelösten Widerspruch, den Deutschland auch um keinen Preis auflösen will, zwischen der Funktionalisierung fremder Länder und der Übernahme finanzieller Verantwortung für ihr Überleben, zwischen Ruin ihrer Souveränität und Rettung um den Preis ihrer Unterordnung.“
Das wäre an der Krisenaffäre Zypern zu überprüfen.
* Von der D-Mark zum Euro und keinesfalls wieder zurück
Deutschlands Anteil an Europas Finanzkrise und sein imperialistisches Interesse an ihrer Bewältigung (S. 84)

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