Schlagwort-Archiv: bürgerliche Wissenschaft

Die Regierung lässt die Armut erforschen, über die sie regiert:

Wissenschaftler ringen um den „Armutsbegriff“

Im März (2005) kommt der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung heraus, und die Öffentlichkeit interessiert sich dafür genau eine Meldung lang. Das reicht auch, denn das Forschungsergebnis – die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer – ist wirklich nichts Neues und wird auch von keiner Seite ernsthaft bestritten. Im Gegenteil: Löhne runter und Profite rauf ist das erklärte Kampfprogramm, mit dem die regierenden Sachverständigen für Wirtschaft den Standort an die Weltspitze führen wollen. Nach 4 Jahren Studium und 370 Seiten landen die regierungsunabhängigen Sachverständigen für Armut bei haargenau der gleichen Therapie: „Förderung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit … weitere Senkung der Lohnnebenkosten … neue Formen der privaten Sicherung … Anreize zur Aufnahme von Erwerbsarbeit im Niedriglohnbereich“. (S. 196 ff.) Von wegen Arme bräuchten mehr Geld! Auch Armutsforscher gelangen zu der äußerst vernünftigen Einsicht, dass Armut nur durch mehr Verarmung bekämpft werden kann. Weiterlesen

Der Pluralismus in den bürgerlichen Wissenschaften

Wie Respekt Objektivität ersetzt

Dass sich verschiedene Positionen, die demselben Gegen- stand gelten, wechselseitig in die Quere kommen, muss auch den Verfechtern dieser Positionen auffallen, da jede Theorie darauf besteht, die Erklärung – oder zumindest ein Stück Erklärung – ihres Objekts zu liefern und nicht bloß die Kundgabe eines Interesses oder einer Meinung zu sein. Weiterlesen

Pädagogische Anthropologie

Blöde Frage: “Was ist der Mensch?”

Was soll er schon sein? Ein “homo oeconomicus” für die Volkswirtschaftler, ein “zoon politikon” für die Politologen, ein “animal soziale” für die Soziologen, ein Erdenwurm für die Theologen und “ein Tier, das denkt”, für die Rationalisten. Es fällt richtig ins Auge: jede Zunft ist bemüht, ihre sehr kulturellen oder politischen Anliegen rückwärts in die innerste, von jeder Kultur und Außeneinwirkung gereinigte Menschennatur reinzulesen, um dasselbe Anliegen dann als dem Menschen total entsprechend, als gerechtfertigtes Anliegen aus seiner Natur wieder herauszulesen – ein witzloses und zirkuläres Verfahren, das nur deshalb nicht ausstirbt, weil der Bedarf an Total-Rechtfertigungen offenbar nie zu decken ist: Wirtschaft, Staat, Gesellschaft usw. sollen nicht als diese besonderen, die wir heute vor uns haben, betrachtet, gewürdigt, für gut oder schlecht befunden werden, sondern ganz grundsätzlich – gewissermaßen ein für alle Mal und ohne Betrachtung seiner /ihrer tatsächlichen Eigenschaften als gut, weil für den Menschen nötig, aus seiner Natur abgeleitet werden. Wenn die Erziehungswissenschaft dieselbe Frage bezüglich der Erziehung stellt, verhält es sich nicht anders. Weiterlesen

Ökonomische Dogmenlehre

Kritik der bürgerlichen Wissenschaft

Vorbemerkung

Der Mensch arbeitet; konsumiert; denkt sich nichts weiter dabei, oder dass die Wirtschaft mit ihrem Warenangebot und ihren Preisen mehr oder weniger unpraktisch, aber letztlich für ihn eingerichtet wäre – und täuscht sich bereits. Sagt jedenfalls die Wissenschaft von der Ökonomie. Denn sie kennt Zusammenhänge, die das Arbeiten und Konsumieren beherrschen, ohne dass es einer ahnt: Sie kriegt sie ja erst heraus.

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Markt und Preis in der VWL

Kritik der bürgerlichen Wissenschaft

Auf keine Errungenschaft dieser Wirtschaft sind Wirtschaftsprofessoren so stolz wie auf den „Marktmechanismus“. Mit der Konstruktion des Schnittpunktes zweier Geraden und der Interpretation dieses Kunstwerks begründen sie wissenschaftlich ihre gute Meinung über die Marktwirtschaft: keine vom Staat gelenkte Entscheidung, freie Konsumwahl, persönliche Freiheit, Effizienz und Wohlfahrt usw. Diese Ideologie führen sie über Fragestellungen ein, die sie als Grundprobleme jeder Wirtschaft verstanden wissen wollen, um dann den Marktmechanismus als beste Lösung zu präsentieren.

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